Angst, Stress und Erektionsstörungen

Erektionsstörungen sind aus meiner Sicht immer ganzheitlich und individuell zu beleuchten. Hinter einer Erektionsstörung steht eine sehr persönliche Geschichte, die sich im Körper manifestiert hat, mit vielen Erfahrungen und auch Verletzungen in Bezug auf Sexualität, Beziehung und Männlichkeit. Dies zu sehen und zu würdigen ist der erste Schritt.

Angst oder auch angstähnliche Zustände wie Nervosität und Stress tragen zu einer Erektionsstörung bei oder sind auch oft im Gesamtzusammenhang ein wichtiger Grund.
An dieser Stelle erlaube ich mir einfach in seiner Unvollständigkeit einen kurzen Ausflug zu diesem Thema.

Es gibt die Leistungsangst. Was kann das heißen?
Sex nicht (mehr) entspannt und körperlich frei den Impulsen folgend genießen zu können, sondern beim oder auch schon vor dem Sex daran zu denken, etwas Bestimmtes leisten zu müssen, beziehungsweise eine Erektion haben zu müssen. Die Betonung liegt auf müssen. Es geht soweit, dass die reine Vorstellung an Sex mit einer Partnerin oder auch Partner an „leisten-müssen“ gekoppelt ist.

Es gibt die Versagensangst. Was kann das heißen?
Alles rund um Sex löst Angst, das innere Gefühl aus, sexuell zu versagen. Es gibt oft auch unbewusst abgespeicherte Erfahrungen und die werden sofort rund um das Thema Sex wieder präsent und äußern sich dann in einer gefühlten oder unbewussten Angst des Versagens.

Dann ist da die Angst vor der eigenen männlichen Potenz und Größe.
In Männern steckt viel sexuelle feurige Kraft, die als Mann (wieder) zu spüren und fließen zu lassen kann auch Angst auslösen, vor allem dann, wenn die Verbindung zu sich selbst verloren gegangen ist.

Ich erlebe sehr oft, dass Männer sich soweit von sich selbst abgeschnitten und im außen angepasst haben, dass sie nicht mehr stolz auf ihr eigenes Geschlecht sind und dadurch nicht mit ihrer sexuellen Kraft verbunden und identifiziert sind.
Unterdrückte sexuelle Kraft und Energie ob im innen oder von außen, wird sich körperlich verwandelt einen Weg suchen oder sich verzerrt (depressiv oder aggressiv) im außen ausdrücken.

Auch Frauen lösen auf tieferer Ebene, für Männer oft nicht zu greifen, Angst aus.
Angst vor der Frau, als das „andere“ Wesen, Angst vor der versteckten Lust, die in Frauen schlummert oder auch eingefroren ist, Angst vor der unberechenbaren weiblichen Wildheit und der schier grenzenlosen weiblichen Lust.

Durch Angst, Furcht, Nervosität, Stress wird der sogenannte Sympathikus unseres vegetativen Nervensystem aktiviert, dies ist ein körperlicher Prozess, der sich unserer Einflussnahme entzieht. Das heißt z.B., das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt und die Muskelspannung erhöht sich, der Körper wird in einen Zustand versetzt, indem er auf unmittelbare Bedrohung oder Gefahr mit Verteidigung oder Flucht reagieren kann.
Körperlich gesehen bewirkt das das Gegenteil von sexueller Erregung. Erregung kann sich erst wieder entfalten, wenn sich der Körper entspannt, muskulär loslässt und innerlich weich ins Fließen kommt.
Hält Angst oder auch angstähnliche Zustände wie z.B. Stress dauerhaft an, kommt es zu körperlichen Reaktionen, die sich auch in einer Erektionsstörung zeigen können.

Es braucht viel Verständnis und Respekt, um körperliche Zeichen als das zu erkennen, was sie in ihrer Individualität sind, um in einem achtsamen ganzheitlichen Prozess diese Störung zu entwirren und heilsam zu verändern.

Der Ausdruck Deines Penis ist grundsätzlich nie falsch. Eine Erektionsstörung ist in der Einfachheit gesagt nur eine Aufforderung für Dich oder sogar eine wichtige Einladung, etwas anders zu machen oder auch etwas komplett anders zu gestalten. 

Liebe und achte Dich, Deinen Körper und Deine Gesundheit,
verstehe Dich und Deine Geschichte anders und betrachte Dich stets liebevoll,
finde einen Platz, in dem Du Raum hast, Dich voll auszudrücken, mit allem was Du bist
und dann lass Dich von Dir selbst verwandeln.
Du bist ein Mensch, ein Mann, es gibt immer einen Weg!

3 thoughts on “Angst, Stress und Erektionsstörungen

  1. Aus diesem Blogartikel, liebe Anja, spricht in Deiner ganz speziellen Art viel Einfühlungsvermögen, Verständnis aber auch im Großen Deine Erfahrung und Dein Wissen.
    Die Ausstrahlung des Artikels ist eine sehr positive und ermutigende.

    Uns Männern fällt es in unserer Ungeduld nicht immer leicht, den langsamen, geduldigen und ungewohnten Weg zu gehen. Und jetzt kommst Du als Frau, liebe Anja, und machst uns Männern hierzu Mut mit Deinen einfühlsamen Worten. Das sollte uns auch mutig machen. Das geht, denn wir sind ja schließlich Männer ;-)).

    An Patentrezepten sind vor uns schon andere Männer gescheitert, dazu ist das Thema in seinen Ursachen wohl zu komplex. Die kleine blaue Pille ist sicher auch nicht die gewünschte Lösung.
    Also muss Mann sich auf den ungewohnten Weg machen: Er muss sich damit abfinden, dass eine tiefgreifendere Veränderung nötig ist. Er muss seine Situation erstmal vollständig akzeptieren, geduldig und verständnisvoll mit sich selber sein und vielleicht auch ein wenig echten Humor zur Situation entwickeln. Viel Gewohntes muss dabei in Frage gestellt werden. Dies ist aber auch eine Möglichkeit, in anderen Fragen des eigenen Lebens neue Richtungen einzuschlagen.

    Wir Männer sind mehr als nur ein erregierter Penis und die Befriedigung der Frau ist auch auf anderem Wege zu erreichen. In dieser Aussage steckt vielleicht auch hier eine Chance ganz neue Wege und Möglichkeiten auszuprobieren. Wie wir als Mann die Frau wahrnehmen und was wir daraus lernen können, hat Anja in verschiedenen Artikeln des Blogs ja ebenfalls sehr liebevoll beschrieben.

    Der Blog von Anja enthält noch viele weitere Hinweise und Anregungen.
    Er ist in seinem gesamten Umfang das Beste, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Er ist darüber hinaus lesenswert und gut verständlich. Er kann gern mehrmals gelesen werden, man darf sich darin vertiefen und Verbindungen zu sich selber und seine Situation finden.

    Und dann geht Mann auf den Weg.

    Danke liebe Anja

    • Lieber Dieter,

      es ist interessant und sehr bereichernd, Deine persönliche Sicht als Mann hier lesen zu dürfen.
      Und vielen herzlichen Dank für Deine anerkennenden Worte für mich, diesen Artikel und meinen Blog.

      Anja

      • Anja beschreibt in diesem Artikel auf sehr einfühlsame Art und Weise die Situation, in der ich mich seit längerer Zeit befinde. Lange habe ich versucht, das Problem allein zu lösen. Dies ist mir aber nicht gelungen, stattdessen hatte ich den Eindruck, die Verbindung zu mir selbst immer mehr zu verlieren. Ich drohte nur noch zu funktionieren und drehte mich in einem abwärts führenden Kreis.

        Also habe ich den notwendigen Schritt getan und ich nahm Kontakt zu Anja auf. Dabei hatte ich ausser meines Problems nur die vielversprechenden Beschreibungen von ihrer sehr ansprechenden Homepage sowie das Foto von Anja vor Augen. So ging ich etwas aufgeregt in die erste Sitzung. Ganz schnell und nahezu umerklich löste sich die Spannung bei mir auf und ich hatte das Gefühl, bei Anja richtig zu sein.
        Sie besitzt alle Eigenschaften, um das notwendige Vertrauen zu schaffen.

        Die Homepage hatte bis hierhin keineswegs zu viel versprochen. Die Atmosphäre war von vornherein sehr vertraut. Es kam zu keinem Zeitpunkt ein störendes Gefühl auf. Anja ging auf sympathische Art und Weise auf mich ein und gab gleichzeitig viele wertvolle Hinweise Körper und Geist betreffend. Das „Eis war endgültig gebrochen“ und wir gingen in den Bodywork. Auch hier war sie sehr einfühlsam und nichts geschah, was ich nicht gewollt hätte oder was mich irritiert hätte.
        Anjas Sensibilität erzeugte eine wohltuende und entspannte Atmosphäre. Ich konnte in der Zeit danach wieder deutlich spüren, welch große Bedeutung die Einheit des gesamten Körpers für das Wohlbefinden und die Persönlichkeit haben.

        Zum Abschluss haben wir dann noch ein angenehmes Gespräch geführt. Ich verließ mit einem sehr guten Körpergefühl ihre Räume und war mir spätestens jetzt sicher, weitere Termine wahrzunehmen. Dies habe ich mittlerweile mit genau dem gleichen positiven Ergebnis wie nach der ersten Sitzung gemacht. Auch zwischen den Terminen habe ich Kontakt zu Anja gehalten. Das war wichtig für mich, um den einmal eingeleiteten und sicher noch einige Zeit benötigenden Prozess zu keinem Zeitpunkt zu unterbrechen. Der normale Alltag wäre da als Störer gnadenlos!

        Die Beschäftigung mit mir selbst und meiner Situation hat mittlerweile zu den ersten spürbaren und positiven Veränderungen – auch in anderen Lebensbereichen – geführt. Die Veränderung findet ganzheitlich statt und erfordert viel Verständnis und Geduld mit sich selbst. Auch sog. Rückschläge sollen nicht entmutigen. Das durch den umfassenden Veränderungsprozess sich einstellende positive Lebensgefühl genieße ich sehr. Diese Veränderung reicht weit in die Partnerschaft hinein.

        Heute bin ich überzeugt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, um die notwendige „Verwandlung“ mit Anjas Begleitung erfolgreich zu dem gewünchten Ergebnis zu führen.

        LG
        Uwe2

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